18.07.2015

Der Staat - Frédéric Bastiat

Ich wünschte, dass man einen Preis stiftet — nicht fünfhundert Franc, sondern eine Million mit
Siegerkranz und Verdienstkreuz am Band für den, der eine gute, einfache und einsichtige Definition des Wortes gibt: Der STAAT.

Welch gewaltigen Dienst leistet er doch der Gesellschaft! Der STAAT! Was ist das? Wo ist er? Was tut er? Was sollte er tun?

Wir wissen darüber nur, dass er eine geheimnisumwitterte Persönlichkeit ist — und sicherlich die am meisten beanspruchte, gequälte, beschäftigte, beratene, angeklagte, angerufene und herausgeforderte auf der ganzen Welt.

Denn, mein Herr, ich habe nicht die Ehre, Sie zu kennen, aber ich wette zehn gegen eins, dass Sie seit sechs Monaten Utopien machen; und wenn Sie welche machen, wette ich zehn gegen eins, dass Sie den STAAT beauftragen, sie zu verwirklichen.

16.07.2015

Die Freiheit hat dem englischen Volke Brot gegeben - Frédéric Bastiat

Die Presse macht über die von dem Board of Trade herausgegebenen statistischen Dokumente Betrachtungen und stellt folgende drei Tatsachen fest:
  • Eine sehr reichliche Getreideernte;
  • Eine Fleisch- und Getreideeinfuhr, die immer steigt, und heute bedeutender ist, als sogar während des Mangels;
  • Ein Zuströmen der edlen Metalle.
Diesen drei Tatsachen wollen wir zwei andere, nicht weniger sichere, hinzufügen:
  • Der Preis des Getreides ist nicht so weit gesunken, um danach annehmen zu können, man wolle es nicht kaufen;
  • Die Pächter sind unter allen arbeitenden Klassen diejenigen, welche am wenigsten klagen.

11.07.2015

Nieder das Kapital! - Julius Stettenheim

Die Versammlung war nun vollständig, nachdem mehrere Mitglieder derselben theils wegen zu mangelhafter Nüchternheit, theils wegen des Verdachts, dem verachteten Stande der Hauswirthe anzugehören, hinausgeworfen worden waren. Das Wort "hinausgeworfen" muß dahin abgemildert werden, daß die Männer zur Thüre geleitet wurden, was eigentlich dasselbe war, aber in den über diese Verhandlungen veröffentlichten Zeitungsberichten einen angenehmeren Eindruck machte, wenn auch nicht auf die betreffenden nicht ungeleitet aus dem Saal entfernten Volksmänner. Denn diesen that meist immer noch Manches weh, woraus zur Evidenz hervorgeht, daß das Hinauswerfen und das Geleit zur Thür sich auch darin vollkommen glichen, daß sie von zielbewußten Fäusten zur Ausführung gelangten. Ich will damit nur oberflächlich, wie dies ja auch die ernsten Folgen der unsanften Entfernung waren, andeuten, daß die Männer, welche zu den betreffenden Versammlungen zusammenzutreten pflegten, sich in einer ziemlich gereizten Stimmung befanden.

Nieder das Kapital! - Julius Stettenheim

Die Versammlung war nun vollständig, nachdem mehrere Mitglieder derselben theils wegen zu mangelhafter Nüchternheit, theils wegen des Verdachts, dem verachteten Stande der Hauswirthe anzugehören, hinausgeworfen worden waren. Das Wort "hinausgeworfen" muß dahin abgemildert werden, daß die Männer zur Thüre geleitet wurden, was eigentlich dasselbe war, aber in den über diese Verhandlungen veröffentlichten Zeitungsberichten einen angenehmeren Eindruck machte, wenn auch nicht auf die betreffenden nicht ungeleitet aus dem Saal entfernten Volksmänner. Denn diesen that meist immer noch Manches weh, woraus zur Evidenz hervorgeht, daß das Hinauswerfen und das Geleit zur Thür sich auch darin vollkommen glichen, daß sie von zielbewußten Fäusten zur Ausführung gelangten. Ich will damit nur oberflächlich, wie dies ja auch die ernsten Folgen der unsanften Entfernung waren, andeuten, daß die Männer, welche zu den betreffenden Versammlungen zusammenzutreten pflegten, sich in einer ziemlich gereizten Stimmung befanden.

06.07.2015

Der Steuereintreiber - Frédéric Bastiat

Herr Kerbholz: Steuertreiber [1]
Hans Biedermann: Weinbauer


K: Sie haben zwanzig Fass Wein geerntet?

H: Ja, mit Müh und Schweiß.

K: So bitte ich mir sechs der besten aus.

H: Sechs von zwanzig! Güte des Himmels! Sie wollen mich ruinieren. Und, wenn ich bitten darf, wozu wollen Sie sie denn verwenden?

K: Das erste Fass ist für die Staatsgläubiger bestimmt. Wenn man Schulden hat, so muss man wenigstens die Zinsen bezahlen.

H: Und wo ist denn das Kapital geblieben?

03.07.2015

Der Kampf um die Begriffe - Roland Baader

„Offensichtlich ist den Bataillonen der sogenannten 68er-Revolution mit der Besetzung der Definitionen gelungen, eine Sprachzerstörung, der – nach allem, was uns Theorie und Erfahrung lehren, ein Verlust der Freiheit stets auf dem Fuße folgt.

Konfuzius wusste schon vor zweieinhalb Tausend Jahren: „Wenn Wörter ihre Bedeutung verlieren, verlieren die Völker ihre Freiheit.“ Das ist so, weil (wie Erwin Chargaff das so schön gesagt hat) Wörter „unsere Gedanken machen“ und weil wir Wahrheit und Lüge nicht mehr unterscheiden können, wenn die Begriffe mit falschem Inhalt gefüllt sind.
Die politischen und rhetorischen Rattenfänger haben dann leichtes Spiel mit denen, die sie beherrschen wollen. Nietzsche hat es lange vor George Orwell vorhergesehen, als er schrieb:
„Der wirkliche Machthaber der Zukunft wird der sein, der neue Sprachreglungen durchsetzen kann.“

Freiheit und Wahrheit bilden eine Einheit. Ebenso Unfreiheit (Herrschaft) und Lüge. Das wirksamste Instrument der Lüge – und somit auch der Knechtschaft – ist die verfälschte Sprache. Die schärfsten Waffen der Tyrannis, noch vor dem Schwer und dem Gewehr, sind die Nebel- und Trug-Wörter, mit denen wir getäuscht werden. Genau deshalb besteht die entscheidende Methode zur Verteidigung und Bewahrung der Freiheit im Bewusstsein und im Wissen um den wahren Inhalt der Begriffe. Machen wir uns also ans Werk, immer und immer wieder, die Begriffe zu klären und die Definitionen mit intellektueller Redlichkeit und dem Willen zur Wahrheit zu setzen – gegen alle Rattenfänger dieser Welt.“

Roland Baader,

Ergebnisse der Hochschulwahl 2015









Alle Zahlen finden sich hier.