01.03.2017

Das libertäre Prinzip der Sezession - Lew Rockwell

Der Gedanke an die Sezession wurde in der amerikanischen Öffentlichkeit anderthalb Jahrhunderte lang dämonisiert. Die staatlichen Schulen verbreiten Märchengeschichten über die “unteilbare Union” und die weisen Staatsmänner, die sie erschafften. Dezentralisierung wird als unkultiviert und rückwärtsgewandt bezeichnet, während Nationalismus und Zentralisierung als fortschrittlich und unvermeidbar dargestellt werden. Wenn eine kleinere politische Einheit sich von einer größeren lösen möchte – falls man dem überhaupt Beachtung schenkt -, müssen ihre Beweggründe nieder und unlauter sein, wohingegen die Beweggründe der Zentralmacht, welche die Einheit gegen deren Wunsch zu erhalten sucht, als selbstlos und patriotisch bezeichnet werden.

Desinformationskampagnen zielen, wie so oft, darauf ab, möglicherweise freiheitsfördernde Ideen giftig und gefährlich erscheinen zu lassen und vermitteln den Eindruck, dass alle, die Anerkennung und Popularität wünschen, das vom Regime verurteilte Thema – in diesem Fall Sezession – besser meiden sollten. Lassen wir aber die Propaganda einmal beiseite, erkennen wir, dass das Befürworten der Sezession nichts anderes bedeutet, als dass es unrechtmäßig ist, staatliche Gewalt gegen jene Menschen anzuwenden, die sich anders Gruppieren möchten, als es das bestehende Regime wünscht. Diese Menschen ziehen es eben vor, unter einem anderen Rechtssystem zu leben. Für Libertäre ist es nicht akzeptabel, deswegen gegen jemanden Gewalt anzuwenden.

07.02.2017

Der Mythos “öffentlichen” Eigentums - Murray Rothbard

Wir alle haben schon mal von “öffentlichem” Eigentum gehört. In der Tat wird immer, wenn sich etwas in Staatseigentum befindet oder der Staat eine Unternehmung betreibt, dies als “in öffentlichem Eigentum befindlich” bezeichnet. Wenn natürliche Ressourcen an private Unternehmen verkauft oder vergeben werden, erfahren wir, dass “öffentliches Eigentum” an schnöde Privatinteressen “weggegeben” wurde. Die Schlussfolgerung daraus lautet, dass, wenn der Staat etwas besitzt, “wir” – alle Mitglieder der Gesellschaft – dies zu gleichen Teilen besitzen. Welch einen Kontrast dieser Einschluss aller doch zu den kleinlichen Partikularinteressen des “privaten” Besitzes darstellt.

Wir haben gesehen, dass - weil in einem sozialistischen Wirtschaftssystem keine Kostenrechnung möglich ist – ein eingefleischter Sozialist bereit sein muss, das Verschwinden eines großen Teils der Weltbevölkerung in Kauf zu nehmen, während den Überlebenden nur primitive Subsistenzwirtschaft bleibt. Und trotzdem mag jemand, der den Staat mit öffentlichem Eigentum identifiziert, damit zufrieden sein, das Ausmaß staatlichen Besitzes zu erhöhen, und den Verlust an Effizienz und gesellschaftlichem Nutzen, der sich daraus ergibt, in Kauf zu nehmen.

31.01.2017

Kann Anarcho-Kapitalismus funktionieren? - Lew Rockwell

Der Begriff „Anarcho-Kapitalismus“ hat, so kann man das sagen, etwas Interessantes an sich. Aber auch wenn der Begriff selbst Neulinge aufschreckt, sind die Ideen, die er verkörpert, fesselnd und anziehend und repräsentieren den Höhepunkt einer langen Gedankenentwicklung.

Wenn ich diesen Begriff auf ein paar Einsichten reduzieren müsste, wären es folgende: (1) Jedes menschliche Wesen, um John Lockes Worte zu verwenden, hat „ein Eigentum an seiner eigenen Person“; (2) es muss einen einzigen moralischen Kodex für alle Menschen geben, sei dieser vom Staat gestellt oder nicht; und (3) die Gesellschaft kann sich selbst ohne ein zentrales Kommando aufrecht erhalten.

Vom ursprünglichen Eigentum, das man in Form seiner eigenen Person genießt, kann man die Rechte des Individuums ableiten, einschließlich der Eigentumsrechte. Führt man diesen Gedanken bis zum korrekten Fazit Rothbards fort, setzt diese Einsicht den Staat außer Kraft, da der Staat auf einer Basis der systematischen Verletzung der Rechte des Individuums funktioniert und überlebt. Wäre dies nicht der Fall, würde es sich nicht länger um einen Staat handeln.